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Angst hat er nur noch vor Gott, vor Menschen nicht mehr

Vitalic, 35 J.

Seit der ersten Klasse habe ich viel Sport getrieben. Schwimmen hauptsächlich. Ich wurde bald Nationalschwimmer und gewann internationale Meisterschaften für Moldawien. Ich hatte keine Zeit für Freundschaften. Das Training hat viel abverlangt. Als ich mit 14 Jahren vor unserem Wohnblock verprügelt wurde, schaute mein Vater aus der Wohnung zu. Er half mir nicht. Das hatte sich fest in mein Herz eingebrannt. Wir hatten nie eine gute Beziehung, aber von da an war ich mit ihm fertig. Ich suchte Macht und Halt auf der Strasse. Die Stärksten im Viertel waren die Mafialeute und Drogendealer. Ich habe zu ihnen Kontakt gesucht und bald war ich tief in Drogen, Alkohol und allem, was dazu gehörte. Meine alten Sportfreunde wandten sich von mir ab.

Ich beschloss neu anzufangen und reiste nach Spanien aus. Äusserlich schien ich mit den Drogen und Alkohol aufgehört zu haben, doch ich schaffte es nicht. Immer wieder hatte ich Rückfälle. Ich erkrankte an Hepatitis C und HIV. Mein Leben war damit wie ein Blatt, das zerrissen wurde. Ich ging zurück nach Moldawien und zog mich völlig zurück. Ich habe mich selbst angeklagt und mit Hausarrest bestraft. Wegen der Krankheit fühlte ich mich wie ein schwarzer Rabe – dreckig und unwürdig. Ich dachte mir, noch zwei bis drei Jahre und dann ist es aus.

Es dauerte nicht lange, bis ich wieder mit diversen Drogen in Berührung kam. Alles, was verboten war, war süss für mich. Ich nahm Heroin. Damals hatte ich schon die Jungs, die an Gott glauben, kennengelernt. Sie redeten mir zu. Eines Abends konnte ich die „weisse“ Welt voller Drogen nicht mehr sehen. Ich betete kurz: „Gott, nimm mich bitte von hier weg oder mache etwas mit mir!“ Ich rief einen Freund an und der vermittelte mich mit gläubigen Jungs. Nach der ersten Reha hatte ich einen starken Rückfall und war knapp fünf Jahre wieder in der Sucht gefangen. Als ich dann in der Fürsorgestelle für Drogensüchtige lag, lernte ich Ghennadi (Leiter „Eliberare“) kennen. Ich hatte den klinischen Tod schon erlebt und trotzdem wieder mit Drogen begonnen, als ich die Intensivstation verliess.

Nun bin ich seit zwei Monaten im Reha-Zentrum. Die Sucht war hier schnell überwunden. Ich habe verstanden, dass meine wahre Abhängigkeit mein Stolz und mein Ego sind. Hier habe ich gelernt, dass ich wegen meinem falschen Vaterbild in die Drogen gefallen bin. Ich hatte schon immer Mühe zu verstehen, dass Gott ein liebender Vater ist. Doch nun habe ich erkannt, dass ich ohne Gott einfach nur eine Leiche bin.

Meine Pläne für die Zukunft? Ich will zu meiner Ehefrau zurück. Sie hatte eine Fehlgeburt. Mein grösster Wunsch ist, dass meine Familie wiederhergestellt wird und ich eine Arbeit finde.

Gott gibt es nicht… nur der Stärkere gewinnt

Janusch, 19 J.

Ich bin in einem Dorf bei Chisinau aufgewachsen. Unsere Familie war sehr arm, Papa trank schon immer. Alle haben mich beleidigt; keiner wollte mit mir spielen. Ich war etwas fest. Mit zwölf Jahren habe ich schon mehr verstanden. Ich begann mit Leichtathletik und machte exzessiv Sport. Ich wollte allen beweisen, dass ich gut bin. Ich hatte so viel Schmerz und Wut in mir. Gegen alle, die mich beleidigt und verachtet hatten. Ich wollte, dass sie mich respektieren. Ich wurde durch den Sport kräftig und prügelte mich bald darauf mit 20-Jähringen. Mit 16 Jahren hatte ich überhaupt keine Angst und schlug alle, die mir in die Quere kamen. Ich fühlte mich stark.

Bald darauf bemerkte mich ein Trainer für American Football und nahm mich in sein Team auf. Ich trainierte hart. Meine Wut wurde nicht kleiner, sondern grösser. Im Sport war ich der Beste. Kaum jemand unterlag mir. Als ich zum ersten Mal in eine Disco eingeladen wurde, kam ich schnell auf den Geschmack. Party, Alkohol, Mädels, bald darauf kamen die Drogen. Das wurde mir wichtiger als der Sport. Die Mafia nahm mich unter ihre Fittiche. Ich erhielt Aufträge, Menschen zusammenzuschlagen. Ich war der Jüngste in der Bande, das verschaffte mir Respekt. Ich nahm immer mehr Drogen und war völlig abhängig. Zu der Zeit wurde meine Mutter schwer krank. Ich hatte von klein auf nicht an Gott geglaubt, doch das gab mir Grund zu denken: Es gibt keinen Gott. Wie sonst konnte er so etwas zulassen?

Eines Tages verliess ich mein Elternhaus und ging mit einem Freund nach Chisinau. Ein Jahr lang lebten wir von Diebstählen und Einbrüchen und finanzierten uns so die Drogen. Ich wollte damit aufhören und ging wieder nach Hause zurück. Zwei Monate schaffte ich es sogar nicht zu rauchen, doch für mehr reichte es nicht. In diesem Winter war ich wie in einer Starre. Ich beschloss meinem Leben ein Ende zu setzen. Ich fuhr wieder in die Hauptstadt zu einem verlassenen Gebäude, das obdachlose Kinder und Jugendliche bewohnten. Mein Plan war, noch eine Woche dieses Leben zu leben und dann vom 15. Stockwerk runterzuspringen. Fertig.

Zwei Mal in der Woche kamen Menschen mit Essen und Hilfe auf das Areal. Das war das Team von Max (ehemaliger „Eliberare“-Bewohner). Sie erzählten von Gottes Liebe. Die habe ich nicht angenommen, aber ihr Angebot, einen Entzug im Reha-Zentrum zu machen, liess mich irgendwie nicht los. Ich sagte zu.

Die erste Woche ging nicht gut. Ich war am Ende mit meinen Kräften, der Entzug setzte mir zu. Ich las aber die Bibel und begann mit der Zeit, sie besser zu verstehen. Ich betete für die Gesundheit meiner Mutter und als ich sie anrief, sagte sie mir, es ginge ihr viel besser. Sie habe sogar zugenommen. Mein Vater hätte sich auch verändert. Es war, als hätte Gott zu mir gesprochen. Jesus hatte ein Ja zu mir und so nahm ich ihn in mein Leben auf.

Nun bin ich seit vier Monaten im Reha-Zentrum. In der Zwischenzeit wurde ich zu 120 Arbeitsstunden verurteilt. Ich bekam drei Optionen: Die Stunden abarbeiten, Busse zahlen oder ins Gefängnis gehen. Ich entschied mich für die erste Variante – das ging gut. Für meine Zukunft habe ich Pläne. Ich will im Sommer arbeiten und Geld verdienen. Danach die 9. Klasse fertig machen und einen Beruf erlernen. Chauffeur wäre mein Traum! Wenn ich heute jemanden von meinen alten Freunden antreffe, können sie nicht glauben, dass ich es wirklich bin. Das habe ich nur Gott zu verdanken.

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