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Geschichte von Licht im Osten in 4 Epochen

Epoche 1920 – 1967

Geschichtlicher Hintergrund:
Während des Ersten Weltkrieges sind rund 2 Mio. russische Kriegsgefangene in deutschen Gefangenenlagern inhaftiert. Nach Kriegsende verzögert der Bürgerkrieg in Russland ihre Rückführung. Auf die Weltwirtschaftskrise 1929 folgt der 2. Weltkrieg (1939 bis 1945), der mit dem Völkermord an über 6 Mio. europäischen Juden endet. Die junge Sowjetunion wird von den Grausamkeiten des Stalinismus (1927 bis 1953) überschattet.

Der Missionsbund wird 1920 unter dem Namen «Licht dem Osten» vom mennonitischen Prediger Jakob Kroeker und dem reformierten Pastor und ehemaligen Missionar der «Basler Mission», Walter Jack, in Wernigerode, Deutschland, gegründet. Bei der Gründung ist der Schweizer Freundeskreis vertreten durch Friedrich Köhler aus Winterthur-Seen und F. Grandjean-Kindler. Erster Präsident vom Schweizer Zweig ist der Berner Pfarrer Henri Mojon-Gerber. Das Ziel des Missionsbundes sind Jüngerschaftsschulungen unter russischen Kriegsgefangenen und die Ausbreitung des Evangeliums unter den Völkern des Ostens. 1925 wird der Missionsbund in «Licht im Osten» umbenannt. Die Kriegsgefangenen machen sich auf den Heimweg und verkünden die frohmachende Botschaft. Neue Gemeinden entstehen durch die Rückkehrer. Walter Jack erkennt: «Gemeinden gründen können die Slawen besser als wir. Aber wir wollen das Feuer mit dem Wort Gottes und unseren Gebeten schüren, wo nur ein paar Funken zu glühen anfangen.» Im selben Jahr erscheint die erste russische Bibelkonkordanz mit 1280 Seiten in 10 000 Exemplaren. 1929 wird Benjamin Pfister neuer Präsident von Licht im Osten Schweiz. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wird Licht im Osten Schweiz selbständig. Die Verbreitung der Guten Nachricht steht durch die strengen Religionsgesetze Stalins unter harter Strafe. Bibelschmuggel und Radio bleiben die einzigen Wege der Verkündigung der biblischen Wahrheit. Um die Verbote zu umgehen, wird christliche Literatur in normalen Briefen auf Dünndruckpapier verschickt. Engagierte Christen aus der Schweiz, aus Schweden, den USA, Estland und Holland finanzieren die hauptsächlich von Deutschland aus koordinierte Hilfe.

Epoche 1967 – 1988

Geschichtlicher Hintergrund:
Mit dem Mauerbau verhärten sich die Fronten zwischen den Westmächten und der Sowjetunion zunehmend. Der Eiserne Vorhang teilt Europa in zwei Lager. Während des Prager Frühlings 1968 emigrieren tausende Tschechen in die Schweiz. Ab März 1985 leitet Generalsekretär Michail Gorbatschow in der UdSSR die «Glasnost» ein – die Politik der grösseren Transparenz und Offenheit.

Die Zukunft des Schweizer Vereins ist ungewiss, als kein Nachfolger für den schwer erkrankten Präsidenten, Pfarrer Pfister, gefunden werden kann. Schliesslich erkennt Dr. Peter Haefelfinger seine Berufung und wird 1971 Präsident des Vereins. Sein Amt führt er ehrenamtlich neben einer regulären Vollzeitanstellung aus. Die Kontaktadresse ist ein Postfach in Bern, alle fünf Mitglieder des Komitees arbeiten ebenfalls ehrenamtlich. Ziel des Vereins ist der Transport von Bibeln und christlicher Literatur hinter den Eisernen Vorhang sowie materielle Hilfe in Notsituationen. Bei seinen Reisen in die DDR und nach Osteuropa baut Dr. Haefelfinger, trotz Überwachung durch die Stasi, zahlreiche Kontakte zu engagierten Christen auf. Unter seiner Feder wird die Arbeit einzelner Missionare wie Roland Grünhard finanziert und ebenfalls Projekte von diversen Missionsgesellschaften unterstützt. Mithilfe einer Firma in Basel, welche die Lizenz für vorverzollte Warensendungen in die UdSSR besitzt, können sogar von der Schweiz aus Schreibmaschinen, Lebensmittel- und Kleiderpakete verschickt werden. Als Reaktion auf den Prager Frühling werden Radiosendungen mit Trans World Radio (TWR) auf Tschechisch (und später auchauf Litauisch) ins Leben gerufen. Das Neue Testament in Usbekisch und mehrere Gemeindegebäude in Rumänien (Cluj) und der Slowakei (Bratislava und Levice) werden ab 1977 mitfinanziert. Mutige Schweizer reisen immer wieder mit umgebauten Fahrzeugen in den Osten und bringen die kostbaren Bibeln hinter den Eisernen Vorhang. Menschen, die zum ersten mal eine Bibel in ihrer Muttersprache in den Händen halten, sind zu Tränen gerührt.

Epoche 1988 – 2008

Geschichtlicher Hintergrund:
Millionen Zuschauer verfolgen den Fall der Mauer am 9. November 1989. Der Kalte Krieg ist mit dem Zusammenbruch des kommunistischen Ostblocks zu Ende. Mit der rumänischen Revolution 1989 wird der Diktator Ceausescu gestürzt. Die Grenzen in den Osten sind seit 1991 wieder offen.

Mit der Öffnung der Grenzen stehen Licht im Osten alle Möglichkeiten offen, den Christen im Osten zu dienen. Der Transport von Bibeln und christlicher Literatur ist erlaubt, die Gute Nachricht darf ohne Einschränkung verkündet werden. Der Auftrag gilt: Christliche Gemeinden, die das Regime «überlebt» haben, sollen gestärkt werden. Mit dem ersten Missionsleiter, Walter Bösch, bekommt der Schweizer Verein 1988 einen ersten Angestellten (50 %) und seinen Sitz in der Rämismühle. «Wir taten uns schwer, jemanden anzustellen. Wir wollten alles Geld für Mission und Projekte einsetzen!» meinte der damalige Vorstand. 1992/93 werden Hans und Hanny Maurer angestellt.

«Hilfe zur Selbsthilfe» wird neben «Wort und Tat» zum Leitbild. Eigene Projekte werden erstmals initiiert. So entstehen innerhalb von 10 Jahren 15 Bäckereien in Moldawien und in der Ukraine mit mobilen Militärbäckereien. Dank Finanzen einer Stiftung und vielen ehrenamtlichen Helfern und gesponserten Transporten ist dieses Projekt möglich.

Die unermessliche geistliche und materielle Not im Osten, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zum Vorschein kommt, führt zu folgenden neuen Projekten: Transport und Verteilung von humanitärer Hilfe, erste Aktion Weihnachtsfreude 1991 (heute Weihnachtspäckli), Übersetzung von Unterrichtsmaterial, Unterstützung von Bibelschulen und Studenten, Evangelisation unter Polizisten in Rumänien und Evangelisationseinsätze mit Bibelschülern aus der Schweiz.

Beim ersten Hilfsgütertransport mit fünf Lastwagen nach Rumänien im Januar 1990 erleben Walter und sein Team das Unmögliche: Die Soldaten der Staatssicherheit «Securitate», die einstigen Feinde der Christen, helfen die Bibeln und Literatur in die Kapellen zu tragen. Bald entsteht das Kinderheim in Viseu de Sus und die Arbeit in Popelnja. Ab 2000 wird das Missionsgebiet mit Moldawien, Jakutien und Tatarstan erweitert.

Epoche 2008 – 2020

Geschichtlicher Hintergrund:
Knapp 20 Jahre nach dem Mauerfall befinden sich die ehemals kommunistisch regierten Länder weiterhin in der Transformation – wirtschaftlich wie politisch. Zwei kriegerische Auseinandersetzungen erweitern das Arbeitsgebiet von Licht im Osten: Im Jahre 2010 brechen die Unruhen (Pogrome) im Süden von Kirgistan aus. Kirgisen vertreiben gewalttätig die usbekische Minderheit.  Und im Jahr 2014 bricht der bewaffnete Konflikt in der Ostukraine aus.

Kinder liegen dem neuen Missionsleiter, Matthias Schöni, besonders am Herzen. Dank Anstieg des Spendenvolumens konnte in weiteren Projekten die Not gelindert werden: Die Einschulung von sozial schwachen Kindern und die anschliessende Förderung in 10 Tageszentren ist ein wichtiger Meilenstein. Ebenso die 41 christlichen Grossfamilien. Kinder werden mit christlichen Werten geprägt und schulisch gefördert.

Im Jahr 2010 erhält Licht im Osten das Mandat des Hoffnungsnetzes Schweiz, um im Kriegsgebiet in Südkirgistan und Usbekistan Hilfe zu leisten (Katastrophenhilfe, Wiederaufbau und Existenzsicherung). Nach den Unruhen wird die Mission in Zentralasien Schritt für Schritt ausgebaut.

Durch die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ostukraine wird der Donbass zu einem neuen, langjährigen Schwerpunkt der Nothilfe.

Das Leitbild «Wort und Tat» der Gründungsväter wird mit neuen Projekten stetig umgesetzt. In Moldawien, der Ukraine und Usbekistan wird die Arbeit mit Gemeindegründungen, Gewerbeförderung, dem Aufbau von vier Rehabilitationszentren, Gefängnisarbeit, zwei Spitälern und einem Frauenhaus stark erweitert. Licht im Osten unterstützt Übersetzungen und die Verbreitung des jakutischen und tatarischen Neuen und Alten Testaments und von Kinderbibeln in verschiedenen Sprachen.

Vieles verändert sich: Licht im Osten wächst; Strukturen werden verbessert; Spenden sind seit 2014 in allen Kantonen steuerabzugsberechtigt; neue Räumlichkeiten in Winterthur werden gekauft; die LIO-Logistik GmbH und der Verein LIO-Ukraine werden gegründet.

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