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Weihnachtspäckli bringen Hoffnung ins Kriegsgebiet

Mitten in der Hoffnungslosigkeit gibt es Menschen wie unser Partner Stefan Kosodoy, seine Familie und seine Freunde. Sie sind wie ein Licht im Dunkeln, das weit hinausstrahlt. Unermüdlich besuchen, helfen und bringen sie den Menschen in dieser Gegend Hoffnung in Wort und Tat. Mit ihnen und dem Schweizer Päckliverteilteam ist Brigitte Neukom, Koordinatorin der Aktion Weihnachtspäckli, unterwegs in Lyssytschansk, Ostukraine, und berichtet von der Päckliverteilung.

Im Anschluss an meine Projektreise geht es direkt von Dnipro nach Lyssytschansk. Dort begleite ich zusammen mit Sergej, Koordinator LIO Ukraine, unseren Partner Stefan und ein Schweizer Verteilteam bei der Päckliverteilung. Obwohl es nur etwas mehr als 300 km sind, brauchen wir Stunden für die Fahrt und passieren mehrere militärische Kontrollposten. Die Strassen sind schlecht, oft sind wir das einzige Auto auf der Strasse. Weit und breit ist kein Haus oder Lebewesen zu sehen. Die Weite dieses Land, das regnerische Wetter und nur wenige Dörfer lassen mich erahnen, wie einsam, hart und trostlos das Leben hier sein kann. Dieser Eindruck bestärkt sich in den nächsten Tagen, denn auch in der Stadt Lyssystschansk erscheint vieles grau in grau: Häuser, Fabriken, Strassen. Das Land ist runtergewirtschaftet. Tausende Ukrainer sind Richtung Westen geflohen, in der Hoffnung dort ihr Glück zu finden.

Einer unserer ersten Besuche führt uns zu einer Familie. Von dieser Familie hat unser Partner erfahren, weil die Tochter vor dem Supermarkt um Geld bettelte. Das Treppenhaus ist typisch für diese alten Wohnblocks: düsterer Sozialbau, die Stufen ausgetreten und alles etwas ungepflegt. Die alleinerziehende Mutter und vier Kinder wohnen in einer Ein-Zimmer-Wohnung. Nicht verwunderlich ist die Atmosphäre sehr beengt, wenn auch die Wohnung warm und sauber gehalten wird.

Als Besuchergruppe quetschen wir uns auch noch in das kleine Domizil hinein. Wir erzählen die Weihnachtsgeschichte, singen Weihnachtslieder und übergeben die Päckli an jedes Kind und die Mutter. Wir erhalten keine genauen Informationen über die Familie, man sieht ihnen aber an, dass sie Schweres durchgemacht haben. Die zwei kleinen Jungs sind sehr zurückhaltend, vielleicht auch eingeschüchtert, dass auf einmal so viele fremde Menschen in ihrer Wohnung stehen. Sie freuen sich riesig über ihr Weihnachtspäckli, und warten brav ab, dass wir weg sind und sie es in aller Ruhe auspacken können.

So manches Haus haben wir betreten. Viele der Schicksale und Geschichten klingen ähnlich. Oft ist Alkohol im Spiel, die Kinder sind immer die Leidtragenden. In einem Haus treffen wir nur die zwei älteren Geschwister an, die jüngeren haben wir in der Schule kennenglernt. Die Kinder geben an, ihre Eltern seien im Ausland, Geld verdienen. Es kann aber auch sein, dass sie gerade ihren Rausch ausschlafen oder sich im Haus vor uns verstecken. Stefan und die Gemeinden halten Kontakt zu diesen Menschen, versuchen zu helfen, so gut sie können. Die Päckli sind oft mehr als ein Geschenk. Sie sind ein Türöffner zu den Herzen der Menschen und manchmal gar der Beginn einer grösseren Veränderung.

In der neutralen Zone besuchen wir zwei Schulen. Eine Schule haben sogar zwei unserer Pastoren früher besucht. Vor dem Krieg waren es bis zu 600 Schüler, heute kommen nur noch 80 Kinder zur Schule. Den Menschen hier ging es früher gut. In Windeseile hat sich alles verändert. Heute sind viele Menschen emigriert und die Kriegsgefahr ist zum Dauerzustand geworden. Dennoch geht das Leben so normal wie möglich weiter, vor allem für die Kinder ist das wichtig. Es hat mich berührt, wie sich die Lehrpersonen und die Kinder über unseren Besuch und die Geschenke gefreut haben. Es war wie Weihnachten und dem Alltag entfliehen zugleich, wenigstens für einen Augenblick.

 

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